Interview mit dem Erstem Bürgermeister und 1. Vorsitzenden der FW.N@U Günter Heyland

Mehr Vielfalt für Neubiberg und Unterbiberg

Vor zehn Jahren gründete der damalige Bürgermeisterkandidat und heutige Bürgermeister Günter Heyland die Freien Wähler für Neubiberg und Unterbiberg, kurz: FW.N@U

Frage: Herr Heyland, 10 Jahre FW.N@U, was fällt Ihnen spontan dazu ein?

Günter Heyland: Im April 2008 haben wir die FW.N@U mit ungeheurem Schwung gegründet. Anfangs waren wir nur gut zwei Handvoll Leute, aber bereits im Januar 2009 sind wir auf über 70 Mitglieder angewachsen. "Zeit für Neues", war damals unser Slogan - und an diese Aufbruchsstimmung, die wir in ganz Neubiberg in Gang gesetzt haben, denke ich heute noch gerne zurück!

Frage: Bis dato gab es im Neubiberger Gemeinderat fünf Faktionen: die CSU, die SPD/NUB, die Grünen, die FDP und die USU100%. Die FW.N@U hat bei den Gemeinderatswahlen 2009 aus dem Stand sieben Mandate geholt und wurde damit stärkste Fraktion im Gemeinderat. Womit haben Sie die Wählerinnen und Wähler überzeugt?

Günter Heyland: Zum einen waren wir natürlich die "Neuen" - das hat uns viel Aufmerksamkeit und auch Sympathien eingebracht. Unser Wahlkampf war nicht von langer Hand geplant, sondern lebte von Bürgerinitiativen, wie z.B. dem Erhalt einer Filiale der Post im Neubiberger Ortszentrum oder der Wiederbelebung des DB-Store am Bahnhof. Darüber hinaus entwickelten unserer Mitglieder und Kandidaten viele spontanen Ideen. So hat etwa Thomas Felber, der damals auf Platz 1 der Liste stand, seine klassische Vespa komplett mit FW.N@U-Plakaten beklebt und ist damit wochenlang durch Neubiberg und Unterbiberg gekurvt. An den Infoständen haben wir Blütensamentütchen mit unserem Slogan "Zeit für Neues" verteilt, und wir haben mit unglaublich vielen Menschen in Neubiberg und Unterbiberg persönlich gesprochen - somit ging die „Saat“ tatsächlich auf. Wir konnten die Wählerinnen und Wähler davon überzeugen, dass es im Neubiberger Gemeinderat eine zusätzliche Kraft braucht, die nicht in den klassischen ,Parteischubladen" denkt, sondern pragmatisch, bedarfsgerecht, mit Augenmaß  und vor allem gemeinsam mit den Bürgern wichtige Zukunftsprojekte für unsere Gemeinde anstößt. Auf der einen Seite stand der sparsame Umgang mit den geringen finanziellen Ressourcen, auf der anderen Seite notwendige Ortsentwicklungen wie z.B. den Bau von ausreichenden KITA-Plätzen, die energetische Sanierung aller gemeindeeigenen öffentlichen Gebäude, den Kauf von Grundstücken des Umweltgartens und Sportzentrums zur dauerhaften Sicherung dieser Einrichtungen, oder den Umbau der Kreuzungen am Umweltgarten, am Bahnhof und an der Kaiserstraße die den Verkehrsfluss deutlich beschleunigt haben, oder, nicht zuletzt, die Bebauung des Bahnhofsareals an der Freiherr-von-Stengel-Straße mit einem Mix aus Wohnbebauung, Geschäften und Büros.
Aber, um zum Wahlkampf zurückzukommen: Sie müssen bedenken, dass eine parteifreie, unabhängige Wählervereinigung wirklich alles - jeden Flyer, jede Veranstaltung, jedes Plakat - selbst entwerfen, umsetzen und auch finanzieren muss. Das erfordert von allen Beteiligten ein immens hohes Engagement! Dass uns dies bei den Bürgermeisterwahlen 2008 und 2014 sowie bei den Gemeinderatswahlen 2009 und 2014 gut gelungen ist, und dass wir heute nach 10 Jahren sagen können: die FW.N@U hat sich etabliert und sehr viel Positives für unsere Gemeinde erreicht - das erfüllt mich schon mit Stolz. 

Frage: Aus der Taufe gehoben haben Sie die FW.N@U im April 2008. Damals sind Sie - nach der überraschenden Wahl der damaligen Bürgermeisterin Johanna Rumschöttel (SPD) zur Landrätin - als Bürgermeisterkandidat angetreten und gründeten hierfür die FW.N@U als parteifreie Gruppierung. Wie riskant war diese Entscheidung - rückblickend gesehen?

Günter Heyland: Ich war seit 1996 als Gemeinderat für die unabhängige Wählergemeinschaft NUB (vormals NBG) für Neubiberg aktiv, die eine Fraktionsgemeinschaft mit der SPD bildete - und wusste, worauf es im Bürgermeisteramt ankommt. Dennoch musste ich mich in der entscheidenden heißen Phase des Bürgermeisterwahlkampfs von meiner Tätigkeit als Regionalvorstand Oberbayern-West der Johanniter-Unfall-Hilfe beurlauben lassen. Beides parallel wäre unmöglich zu bewerkstelligen gewesen. Ich habe also meine ganze Energie, meinen Mut, aber auch meine Zuversicht, dass ich ein guter Bürgermeister für Neubiberg und Unterbiberg sein kann, in die Waagschale geworfen - und habe gewonnen. Das hat uns damals alle elektrisiert. Man muss ja sehen: Von der Gründung der FW.N@U am 5. April 2008, über die Aufstellungsversammlung am 15. April bis zur Bürgermeisterwahl am 25. Juni und der Stichwahl am 30. Juni 2008 waren es nicht einmal drei Monate! Das war also eine unglaublich dicht gedrängte Zeit - und wahrscheinlich sogar der schnellste erfolgreiche Bürgermeister-Wahlkampf in ganz Bayern. Selbstverständlich war dieses Vorhaben mit einem hohen Risiko und einem großen Kostenaufwand verbunden. Geglückt ist es schließlich als einmalige Gemeinschaftsaktion der damaligen Gründungsmitglieder und Unterstützer. Und diesen Schwung haben wir dann weiter getragen in die Gemeinderatswahl 2009, bei der die FW.N@U erstmals angetreten und aus dem Stand heraus stärkste Kraft geworden ist.

Frage: Also ein FW.N@U-Senkrechtstart 2008/2009. Wie ging es danach weiter?

Günter Heyland: Getragen von diesem Erfolg sind wir sehr engagiert und motiviert an die Arbeit gegangen. Unsere Wahlprogramme sind sehr umfangreich und ausgesprochen konkret, das heißt, wir sprechen Klartext. Vor allem möchten wir größtmögliche Transparenz schaffen, um so viele Bürgerinnen und Bürger wie möglich von Anfang an mit einzubeziehen. Denn natürlich hat alles, was wir im Gemeinderat beschließen, direkten Einfluss auf unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger im Ort: auf unsere Nachbarn, Freunde und Bekannten. Daher ist unser Ansatz: informieren, zuhören, den Dialog suchen und gemeinsam zu guten Lösungen kommen. Dies bedeutet aber auch, dass man viel Kritik einstecken muss. Denn bauliche Verdichtung, anhaltender Zuzug, Verteuerung der Immobilien oder immer mehr Verkehr beunruhigen viele Menschen. Über diese wichtigen Themen muss permanent gesprochen werden, der demokratische Prozess der  Meinungsbildung gefördert werden. Manchmal erfordert es aber auch Mut von den Gemeinderatsmitgliedern, unpopuläre Positionen zu vertreten. Zum Beispiel die oberirdischen Parkplätze am Rathausplatz für eine nachhaltige, also auch in Zukunft ausreichend große Tiefgarage zu opfern. Dies erfordert Weitblick und Standhaftigkeit. Übrigens: Klientelpolitik ist der FW.N@U fremd.

Frage: In diesem Jahr feiern Sie nun 10 Jahre FW.N@U. Was wünschen Sie den Freien Wählern für Neubiberg und Unterbiberg?

Günter Heyland: Wir haben in den vergangenen zehn Jahren gleichermaßen neue Mitglieder hinzugewonnen und verloren. Zum Beispiel aus beruflichen Gründen oder wegen Umzug. Politisches Engagement ist anstrengend und fordert von allen Aktiven viel Freizeit. Die meiste Arbeit wird vom erweiterten Vorstand, also von zwölf ehrenamtlich Tätigen, geleistet. Als Unterstützer im Hintergrund fungieren alle übrigen Mitglieder.  Diese sind stets hilfreich zu Stelle, wenn es nötig ist. Wir laden Mitglieder und Bürger regelmäßig zu unseren „Offenen Runden“ ein, dies sind Gesprächsrunden zu aktuellen Neubiberger oder Unterbiberger Themen. Auch wenn wir nicht immer einer Meinung sind, so herrscht bei der FW.N@U ein Geist des gegenseitigen Respekts und der Toleranz. Dieses Interesse füreinander, die Vielfalt und der herzliche Umgangston sind es wahrscheinlich, die die Freien Wähler für Neubiberg und Unterbiberg  groß gemacht haben. Und genau das wird uns auch in Zukunft als einzige parteifreie Wählervereinigung in unserer Gemeinde bestens tragen.

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